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Toni Lohri  

(1919 - 2012)


Der aussergewöhnliche Thuner-Kunstmaler, Denker und Naturfreund

Toni Lohri wurde 1919 im luzernischen Gettnau geboren, erlebte seine Jugendzeit in Sempach und besuchte dort auch die Schulen. In seinen jungen Jahren arbeitete er zuerst als Bauernknecht und Fabrikarbeiter und später dann, nach Abschluss einer Mechanikerlehre, noch längere Zeit als Berufsmann.

Seine Freude am Zeichnen und Malen entdeckte Toni Lohri im Jahr 1957 also kurz nach seinem Umzug von Wettingen nach Thun. Die Liebe zu Farben und zum kreativen Gestalten hat ihn bis zu seinem Tode nie mehr ganz losgelassen. Zuerst malte er vorwiegend mit Stiften, später aber verspürte er immer mehr den Wunsch mit kräftigen und strahlenden Ölfarben stimmungsvolle Bilder entstehen zulassen.

Als naturverbundener Mensch zeigen seine Bilder vor allem Landschaften und Blumen aus unserer Bergwelt, sowie Szenen aus dem bäuerlichen Alltag. Es ist ihm dabei ein ganz besonderes Anliegen gewesen, auf die Schönheiten der Natur aufmerksam zu machen, Freude zu bereiten und zu helfen. Darum unterstützte er auch während vieler Jahre mit einem grossen Teil aus dem Verkaufserlös seiner Bilder Hilfswerke für Not leidende Menschen.

Mit seinem wachen Verstand hat sich Toni Lohri bis ins hohe Alter auch immer wieder mit aktuellen Zeitfragen und wissenschaftlichen Themen beschäftigt. So hat er noch im Alter von 90 Jahren seine Gedanken über die Vergangenheit unserer Erde zusammengefasst und seine Hypothese der Universität Freiburg i.Ü. zur Begutachtung zugestellt. Für Toni Lohri war es ein besonderes Anliegen, dass diese Gedanken später einmal einem möglichst grossen Interessenkreis zugänglich gemacht werden.

Kurz nach seinem 92. Geburtstag ist Toni Lohri verstorben, eine aussergewöhnliche und liebenswürdige Person, die, entgegen seiner persönlichen Überzeugung, nicht so einfach ersetzt werden kann!

Roger Däppen

«Es werde Licht»: So beschreibt das alte Testament unserer Bibel in seinen ersten Sätzen den Anfang von Himmel und Erde.

Diese Aussage folgt auf die Beschreibung:
«Wüst und öde war die Erde und die Finsternis lag auf der Urflut und der Geist Gottes schwebte über den Wassern».

Und im Psalm 77,6 – 77,13 können wir lesen:

«Ich sinne über die Tage der Vorzeit nach, urlängst vergangener Jahre gedenke ich. Ich rede des Nachts vor mich hin, mein Herz sucht, und es forscht mein Geist. Der Taten Gottes gedenke ich, ja, seine Wunder von Urbeginn her, ich schaue auf all seine Werke hin und sinne seinem Walten nach.»

Auch ich habe in meinem langen Leben sehr oft und immer wieder über die Vergangenheit unserer Erde nachgedacht und mich auch als gläubigen Mensch nie gescheut, die kritischen Fragen der Wissenschaft zu diesen Themen in mein Nachdenken mit einzubeziehen. Für mich gibt es keine unüberwindbaren Gegensätze zwischen Naturwissenschaft und Religion und zwar darum nicht, weil ich erstens die Bibel nicht buchstäblich, sondern ernst nehme und zweitens weil man schon längst die Erfahrung gemacht hat, dass auch Wissenschaftler nur ein begrenztes Sichtfeld haben.


Der Urknall

Meine Gedanken über die Vergangenheit unserer Erde beginnen lange nach dem angenommenen Urknall, der vor ca. 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden haben soll. Sie beginnen mit der Bildung unseres Sonnensystems vor vielleicht 4 - 5 Milliarden Jahren und unsere Erde könnte sich bereits damals als feuerflüssiger Planet, umgeben von einer mächtigen Gas-Dampfhülle, auf ihrer Bahn um die Sonne gezeigt haben. Aus welcher Retorte des Schöpfers sie letztlich gekommen ist bleibt für mich ein Geheimnis. Dass sie feuerflüssig gewesen sein muss, belegen unsere Erstarrungsgesteine, die so genannten Magmatite wie z.B. Granite oder Basalt. Und dass sich alles Wasser, das heute in den Weltmeeren lagert, in der Atmosphäre befunden haben muss, scheint nahe liegend.


Die Polarmeere

Ausgehend von der angenommenen Situation versuche ich nun die weitere Entwicklung und die Veränderungen der Erde zu erfassen und zwar bis zu dem Zeitpunkt, wo nach unendlich langer Zeit Leben entstehen konnte.

 


Bild 1 stellt die Wärmestrahlung der Sonne, sowie die Wärmeabstrahlung der Erde dar. Zu sehen ist, dass an den Polen die Erdabstrahlung fast ungehindert stattfinden konnte, während am Äquator ein Wärmestau entstand. Als Folge davon kühlte sich die Erdoberfläche bei den Polen rascher ab, als am Äquator. Ungleiche Druckverhältnisse der Atmosphäre zwischen den Polen und dem Äquator, auf die noch feuerflüssige Erdmasse, sowie die vermehrte Wärmeabstrahlung in den Polargegenden führten zu einer Verkürzung der Erdachse, zur Polabplattung.

Als sich nach Jahrmillionen endlich eine dünne, aber stets wachsende Erdkruste bildete, kam es zu einem Dauerzustand dieser Abplattung. Durch die fast un- gehinderte Wärmeabgabe an den Polen, entstand ein steter Wärmefluss im Erdinneren. Dieser nach den Polen gerichtete Wärmefluss könnte mit der induktiven Wirkung der Erdrotation, die Entstehung des Erdmagnetismus bewirkt haben. Als sich nach sehr langer Zeit auf der Erdoberfläche Wasserdampf kondensieren konnte, kam es erstmals zu grösseren Wasseransammlungen (Bild 2). Das war die Geburt der Polarmeere.


Phase der Erdabkühlung

Das kochendheisse Wasser kühlte sich nach weiteren riesengrossen Zeiträumen soweit ab, dass das Entstehen von Leben möglich wurde. Nach dem Willen unseres Schöpfers bildeten sich zuerst Einzeller, dann Mehrzeller und schliesslich durch Mutation immer höher entwickelte Lebewesen.

Auch am Äquator führte die konstante Erdabkühlung langsam zu einer dünnen Erdkruste und es kam auch hier zu Wasseransammlungen die schliesslich die Basis der heutigen Weltmeere bildeten. Die Kondensation der atmosphärischen Wasserdämpfe wanderte somit über Jahrmillionen von den Polen ausgehend zum Äquator hin. Als das verbleibende Festland ebenfalls erträgliche Temperaturen aufwies, nahm das Leben auch von ihm Besitz.

Durch ständige Mutation der Lebewesen auf beiden Erdhälften entwickelten sich verschiedene Lebensarten und Lebensformen. Diese Hypothese würde eine Erklärung bieten für die Frage, warum gewisse Pflanzen- und Tierarten entweder nur auf der südlichen oder auf der nördlichen Erdhälfte beheimatet sind, obwohl beidseits des Äquators artgerechte Bedingungen vorhanden gewesen sein müssen. So sind z.B. Pinguine, Laufvögel, Lamas oder der Kaffeestrauch Geschöpfe des Südens, während Eisbär, Hirsch und Wolf, sowie Ahorn und Birke in Norden zu Hause sind.

Meines Erachtens könnte die Theorie über die Vergangenheit unserer Erde in einem einzigen Satz zusammengefasst werden, nämlich:

Die beiden Pole unserer Erde sind die Geburtsstätten der Weltmeere und auch der Lebewesen!

Die späteren Stufen der Erdentwicklung bis in unsere Gegenwart sind weitgehend bekannt. Meiner Ansicht nach muss aber beachtet werden, dass sie von den Polen ausgehend über grosse Zeiträume hinweg zum Äquator wanderten. Die Lebewesen, die ihren Ursprung auch an den Polen hatten, veränderten sich auf ihrem Weg zum Äquator laufend durch Mutation, so dass vor ca. 3 - 4 Millionen Jahren die ersten Urmenschen in Erscheinung traten. Die weitere Entwicklung führte dann vor etwa 1,5 Millionen Jahren zum Homo erectus (aufgerichteter Mensch) und schliesslich vor vielleicht 100'000 Jahren zum heutigen Homo sapiens (einsichtiger Mensch). Dieser kehrte im laufe der Zeit zum Teil wieder zu seinen Wurzeln ins Polargebiet zurück und hat sich dort angesiedelt.

Weil sich die Erdentwicklung über extrem lange Zeiträume hinweg von den Polen zum Äquator hin bewegte und entsprechend unterschiedliche Vegetationsformen vorhanden gewesen sein müssen, ist es verständlich, dass auch in Polnähe fossile Bodenschätze wie Steinkohle, Erdöl und Erdgas zu finden sind.

Thun, 7 Mai 2010                                                                                                                Toni Lohri

 

N.B.:
Freilich lief das beschriebene Stück Erdgeschichte nicht so friedlich ab! Vulkanausbrüche, Erdbeben, Erdplattenverschiebungen, Eiszeiten, Klimaerwärmungen, Überschwemmungen und andere Naturereignisse prägten diese hochinteressante Vorzeit.